Back to the top

Eltern-Information

Minecraft erklärt für Eltern

Spielbeschreibung

Unsere Spielfigur startet in einer Welt die ausschließlich aus verschiedenen Klötzen besteht. Diese sind immer gleich groß (im Verhältnis zur Realität ein Kubikmeter) und unterscheiden sich auf den ersten Blick nur in ihrer Farbe. Das Spiel würfelt aus unzähligen Blöcken zufallsgeneriert eine Umgebung zusammen, die erstaunlicherweise immer stimmig aussieht und zum Erkunden anregt: karge Wüsten, gewaltige Berge, grüne Wiesen mitsamt Kühen und anderem Getier – oder auch mal eine weitläufige Eisregion.

Hier stehen wir nun also und haben keine Ahnung was wir tun sollen, es gibt keinerlei Hilfen oder Erklärungen. Schnell finden wir jedoch heraus, dass wir mit der bloßen Hand braune Erdblöcke abtragen und auch Bäume in ihre eckigen Bestandteile zerlegen können. Alles was wir so ergattern, sammelt sich in unserem Inventar, quasi dem Rucksack der Figur. Wenn wir hier nun die gefundenen Erdblöcke auswählen, können wir sie beliebig in der Welt anordnen und so neue Strukturen erschaffen. Aus dem Holz klöppeln wir anschließend unsere ersten Werkzeuge – eine Schaufel für Sandblöcke, eine Axt für Bäume und eine Spitzhacke für Gestein. Dazu müssen die Bauteile in einer bestimmten Form im Menü angeordnet werden. Welche Formen dabei zu welchem Ergebnis führen, verrät das Spiel nicht. Da hilft nur ausprobieren oder im Internet nachschlagen (etwa auf Minecraftwiki.de).

Die konsequent umgesetzte, eckige Sonne verrät uns die Tageszeit, es ist Abend – unsere Gehversuche haben den ersten Tag im Nu verschlungen. Jetzt kommt der heikle Teil der sonst so friedlichen Minecraft Welt: Sobald die Sonne untergeht, kommen aus Klötzchen bestehende Monster aus ihren Verstecken und machen Jagd auf den Spieler. Um uns vor ihnen zu schützen, müssen wir uns eine Behausung suchen. Entweder wir hauen eine Höhle in einen Berg oder wir basteln uns eine einfache Hütte aus Erdblöcken auf offener Fläche. Im Versteck ist es dunkel und es heißt abwarten. Morgen müssen wir einen Stollen in den Berg treiben und nach Kohleblöcken suchen, kombinieren wir diese mit unserem Holz, entstehen Fackeln, die unsere Unterkunft auch bei Nacht beleuchten. Wenn wir genug Holz finden, können wir uns eine Tür bauen. Haben wir genug Stein für einen Ofen, schmelzen wir darin Sand zu Glas, daraus werden unsere Fenster. Und wenn wir weit genug graben, finden wir vielleicht Eisen aus dem wir uns eine Rüstung schmieden können, um uns vor den Kreaturen zu schützen. Doch wenn wir unseren Stollen in den Berg treiben, stoßen wir wahrscheinlich auf unterirdische Flüsse und Seen, die wir umgehen oder umleiten müssen, treffen auf gefährliche Lava oder auch auf neue Monster, die sich unter der Erde herumtreiben. Hinter jeder Ecke wartet das Abenteuer, die Hoffnung auf wertvolle Materialien, aber auch die Gefahr. Die Kombinationsmöglichkeiten der Materialien sind immens, die Baumöglichkeiten schier unendlich.

Pädagogische Beurteilung

Alte Schule im Hier und Jetzt

Aus technischer Sicht ist Minecraft alles andere als zeitgemäß, die Grafik ist nicht nur angestaubt sondern alt. Der Sound ist simpel, die Menüs sind unübersichtlich. Doch darüber lässt sich hinwegsehen, wenn man die erste eigene Hütte zu einem Haus ausgebaut hat, das Haus zu einer Burg, die Burg zu einem Schloss mit Wassergraben und so weiter und so fort. Minecraft erklärt nichts und gibt nur wenig vor, fast alles was der Spieler hier erlebt, entstammt seiner eigenen Phantasie und Kreativität. Das Sandkastenspiel kann alleine am PC gespielt werden, ist jedoch auch über das Internet mit mehreren Mitspielern spielbar. Am sinnvollsten ist dabei die Steuerung mit Tastatur und Maus.

Ordnung ist das ganze Leben

Da Minecraft kein vorgegebenes Ziel hat, ist die Zeitinvestition jedem selbst überlassen, wir haben jedoch schnell festgestellt, dass ein neues „Projekt“ – wie etwa der neue Burggraben für unsere Behausung – schnell zum Stundenfresser werden kann. Ähnlich verhält es sich mit der für das Spiel namensgebenden Beschäftigung (Minecraft: engl. Minenhandwerk), dem Graben von Stollen und dem Aufbau gigantischer Minennetzwerke, um neue und wertvollere Materialien zu finden. Diese werden gebraucht, um bessere Werkzeuge herstellen zu können. Mit der Holzspitzhacke können wir beispielsweise nicht so schnell Tunnel graben wie mit einer aus Metall. Der Weg durch die Berge ist spannend und weckt den Forschertrieb, weil man nie weiß, was sich in der zufallsgenerierten Welt hinter der nächsten Ecke verbirgt. Der Kontrast zu den dunklen und nur von Fackeln beleuchteten Stollen stellt die bunte Oberwelt dar, auf der sich bei Tag Tiere tummeln, von denen sich die Wölfe sogar zähmen lassen. Die Kühe dienen als Lieferant für Leder und Fleisch, die Schafe können geschoren werden, um ihre Wolle weiterzuverarbeiten. Die Motivation zu spielen, entsteht durch Ziele, die sich der Spieler selbst setzt, wie etwa: „Ich möchte einen Turm bauen, der bis in die Wolken reicht“. Das ist möglich. Wie das Ziel erreicht wird, ist dem Spieler freigestellt und erfordert Planung. Welche Baumaterialien verwende ich? Woher bekomme ich diese? Soll der Turm nur zweckdienlich oder auch schön anzusehen sein? Baue ich nur bei Tag in Sicherheit, oder brauche ich Waffen und Rüstung um mich gegen die Monster zu wehren? Woher bekomme ich diese? Doch je mehr Materialien sich im Inventar der Figur ansammeln, desto schwerer wird es, im entscheidenden Moment die richtigen zu finden. Also ist es sinnvoll einen Lagerraum mit Truhen anzulegen, in denen die Baumaterialien, Nahrungsmittel, Kleidungsstücke und der restliche gefundene Plunder sortiert und verwaltet werden können. Wenn ein Projekt ordentlich laufen soll, ist Ordnung wichtig.

Forscher und Erbauer
Auch wenn Aufräumen nicht gerade dazu gehört, kombiniert Minecraft trotz seines einfachen Aussehens viele Aspekte, die Kinder faszinieren: der Spieler kann Herr seiner eigenen vier Wände sein, die sich beliebig gestalten lassen. Ein Fußboden aus Glas? Ein Baum im Wohnzimmer? Ein Schwein in der Abstellkammer? Kein Problem. Die Monster hingegen bieten den Anreiz sich zu verteidigen, immer bessere und optisch ansprechendere Waffen und Rüstungen zu bauen, um sich in der Welt behaupten und bewähren zu können. Dazu muss sich der Spieler aus Erkundungstouren begeben – das Erforschen der Spielwelt macht einen großen Reiz aus. Sollte die Figur jedoch dabei sterben (wenn sie etwa von einem Monster zu häufig getroffen wird, in einen Abgrund fällt oder zu lange unter Wasser bleibt), erscheint sie an einer bestimmten Stelle (dem sog. Wiederbelebungspunkt) und es kann weiter gespielt werden. Jedoch liegen alle Utensilien und Materialien, die sich im Inventar befanden an der Stelle, an der die Figur gestorben ist und müssen zurück geholt werden.

Wie große die angestrebten Projekte sind, ist dem Spieler freigestellt, so kann man Minecraft zwischendurch mal für eine halbe Stunde spielen, aber es gibt im Internet auch Videos von Spielern die das Raumschiff Enterprise oder Landschaften aus den Herr der Ringe-Büchern nachgebaut haben. In Originalgröße und jeweils mehreren hundert oder sogar tausend Arbeitsstunden, was natürlich extreme Ausnahmen sind. Da das Aufbauspiel mit Erklärungen geizt und sich teils recht umständlich bedienen lässt, ist etwas Einarbeitung notwendig, was den Einstieg für Gelegenheitsspieler etwas holprig macht. Doch sobald die Grundmechanik des Auf- und Abbaus der Blöcke verstanden wurde, entfaltet sich auch für jüngere Kinder das Spaß- und Lernpotential, weil nun quasi eine Riesenkiste Lego zur Verfügung steht, die nach Herzenslust umgebaut werden kann. Je nach Antrieb kann so kreatives Denken, Entwickeln von Lösungsstrategien, Organisation und Planung, sowie auch Frustrationstoleranz gefördert werden.

Minecraft für Kinder – Ist das Spiel geeignet?

Das Spiel sieht durch sein Design kindlich aus. Hauptsächlich geht es um das Bauen von Gegenständen und Gebäuden und die Erkundung der Spielwelt. Doch wie kindgerecht ist Minecraft wirklich? Eine pädagogische Einschätzung und Tipps für Eltern zusammengefasst.

Für Kinder kombiniert Minecraft trotz seines einfachen Aussehens viele Aspekte, die sie faszinieren: Sie können ihre eigene Welt gestalten, Gegenstände herstellen, die Spielfigur verbessern und sich gegen Gegner verteidigen. Berühmt wurde Minecraft vor allem durch soziale Medien wie zum Beispiel YouTube, Facebook und Reddit, wobei ein Drittel aller Minecraft-Spieler das Spiel über Onlinevideos, so genannte Let’s Plays, kennenlernte. Es existieren über 42 Millionen Videos über Minecraft auf der deutschen YouTube-Seite.

Minecraft: Ab welchem Alter?

Minecraft ist von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ab sechs Jahre freigegeben. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfielt dieses Alter, wobei es darauf ankommt, welchen Modus man spielt. Außerdem sollten Kinder im Alter von 6-10 Jahren schon aus ergonomischer Sicht nicht länger als 45-60 Minuten täglich Zeit vor dem Bildschirm sitzen. Während Kreativ- und Abenteuermodus relativ harmlos sind, sind Überlebens- und Hardcoremodus mehr auf Angriff und Attacken aus. Die Klötzchen-Optik lässt Abstand zu den Spielhandlungen zu. Jedoch erklärt Minecraft nichts und gibt nur wenig vor, SpielerInnen brauchen hier genügend Erfahrung, Fassungsvermögen, Planung und vor allem Phantasie und Kreativität.

Bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr sollte am Anfang eine Einführung unter Anleitung erfolgen.

Tipps für Eltern

Wichtig ist, dass Kinder nicht die Nutzungszeit aus den Augen verlieren, was bei diesem grenzenlosen Spiel leicht passieren kann. Projekte wie etwa der neue Burggraben können schnell zum Stundenfresser werden. Ähnlich verhält es sich mit der namensgebenden Beschäftigung, Stollen zu graben und gigantische Minennetzwerke aufzubauen, um Materialien zu finden. Wie viel Zeit Spieler investieren, ist jedem selbst überlassen, so kann man Minecraft zwischendurch mal für eine halbe Stunde spielen.

Besonders jüngere Kinder brauchen zu Beginn die Begleitung durch erfahrene Spieler. Es gibt keine Einführung im Spiel, die grundlegende Mechanismen erklärt. Hier können Eltern einspringen und mit dem Kind in das Spiel einsteigen.

Für jüngere Kinder eignen sich der Kreativ- und Abenteuermodus. Hier kann die Spielwelt in Ruhe erkundet werden, ohne dass SpielerInnen Angriffe füchten müssen. Für ältere Kinder kann es in Überlebens- und Hardcoremodus schon etwas spannender werden.

Minecraft fördert Kreativität

Sobald die Grundmechanik des Auf- und Abbaus der Blöcke verstanden wurde, entfaltet sich auch für jüngere Kinder das Spaß- und Lernpotenzial, weil nun quasi eine Riesenkiste Lego zur Verfügung steht, mit der man nach Herzenslust bauen kann. Je nach Antrieb kann dies kreatives Denken, Entwickeln von Lösungsstrategien, Organisation und Planung, sowie auch Frustrationstoleranz fördern.

So wird Minecraft auch in Bildungseinrichtungen verwendet. Um Schulen den Zugriff auf Minecraft zu ermöglichen, wurde 2011 die Organisation „MinecraftEdu“ gegründet. Auch Firmen wie Google entwickeln Modifikationen für Minecraft, wie zum Beispiel „qCraft“ die mit „Minecraft“ und „MinecraftEdu“ kompatibel ist. In einer schwedischen Schule ist das Spiel sogar Pflichtfach.

Fazit

Minecraft ist ein Phänomen: es erzählt keine Geschichte, verzichtet vollständig auf Erklärungen und sieht dank simpler 3D-Grafik fürchterlich altbacken aus. Doch es macht Spaß, ist faszinierend und schränkt den Spieler nur durch seine eigene Kreativität ein – was viele Lernmöglichkeiten bietet und es in unseren Testergruppen äußert beliebt macht. Durch die umständliche Steuerung, die unübersichtlichen Menüs und fehlende Hilfen muss besonders jüngere Kinder das Spiel von einem Erwachsenen erklärt werden, dann ist es jedoch eine moderne Legokiste für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Die Monster in der Spielwelt sind mitunter ein wenig gruselig und gerade wenn die Spielwelt dunkel ist, können Sie Jüngere erschrecken, bei genauerer Betrachtung sind die Fieslinge jedoch durch ihre aus Blöcken gebauten Körper eher witzig als unheimlich.

Quelle: Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW

© 2021 | Made with ♥ in Buxtehude.